Protagonistinnen

 

JALDA REBLING

Jalda Rebling kam 1951 in Amsterdam zur Welt doch nur ein Jahr später zog sie mit ihren Eltern, den MusikerInne Lin Jaldati und Eberhard Rebling, in die DDR. Zusammen mit ihren Eltern und ihrer Schwester Kathinka wuchs sie in Eichwalde bei Berlin auf.

Nach einer Schauspielausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst  Ernst-Busch in Berlin, arbeitete sie als Schauspielerin und Synchronsprecherin. Ende der 70er Jahre wurde sie von ihren Eltern mit auf die Konzert-Bühne geholt. Seither hat sie sich zu einer Spezialistin in europäisch-jüdischer Musik vom Mittelalter bis zur Gegenwart entwickelt.

Seit Ende der 70-iger Jahre machte sie mit ihrer Familie und anderen Musiker-KollegInnen Konzerttourneen auf internationalen Bühnen. Kurz vor dem Ende der DDR initiierte sie die Tage der Jiddischen Kultur (UNESCO-Projekt) in Ost-Berlin und organisierte und leitete diese auch nach dem Mauerfall noch einige Jahre weiter.

Anfang der 90er verliebte sich Jalda Rebling, inzwischen Mutter von 3 Söhnen, in Anna Adam. Die beiden kannten sich bereits flüchtig durch ihre jeweilige Arbeit im Kulturbereich. Jetzt wurden sie ein Paar und zogen gemeinsam Jaldas jüngsten Sohn auf.

Ebenfalls gemeinsam machten sie sich daran, die Traumata zu überwinden, die von ihren jeweiligen Müttern, die beide Auschwitz überlebt haben, an sie übergegangen waren. Zusammen begannen sie, sich gegenseitig “am Schopf aus ihrer Depression zu ziehen” und einen positiven und freudvollen Bezug zum Jüdischsein zu finden. Auch auf beruflicher Ebene arbeiten Jalda und Anna eng zusammen und entwickelten bereits etliche Projekte gemeinsam.

2003 ging Jalda in die USA um dort ein Studium im ALEPH Cantorial Program zur Kantorin zu beginnen. Im Jahr 2007 wurde sie ordiniert und damit zu einer der wenigen weiblichen Kantorinnen in Deutschland. Im gleichen Jahr gründete sie zusammen mit Anna Adam „Ohel Hachidusch – Zelt der Erneuerung“, die erste Jewish Renewal Gemeinde in Deutschland. Ohel Hachidusch ist eine egalitäre basisdemokratische Gemeinde, die stetig wächst und sich neben dem lernenden Minjan sowie dem gemeinsamen Feiern von jüdischen Festen auch dem Biogemüseanbau im Garten der Weltreligionen in Gatow widmet.

Als Kantorin lehrt und leitet sie Workshops, Gottesdienste und lifecycleevents in Deutschland, Skandinavien, Israel, USA und Großbritannien. Sie initiierte T´fillah Leaders European Retreat ein layleader coaching bei der European Academy for Jewish Liturgy (EAJL) in London und gehört seit dem ersten Festival zum Limmud – Team.

Mit Begeisterung widmet sie sich zurzeit ihrem Psalmprojekt: Gemeinsam Maria Jonas und der Frauenschola “Ars Choralis” studiert sie spielerisch und experimentell den jüdischen sowie den christlichen Umgang mit Psalmen, macht Verbindendes und Trennendes ausfindig und bewegt sich an Grenzen, die so noch nicht überschritten wurden. Aber das ist nur eines von vielen Projekten, mit denen Jalda Rebling sich stets zeitgleich beschäftigt …

ANNA ADAM

Anna Adam wurde 1963 in Siegen geboren. Sie studierte in Düsseldorf und Hannover Kunst und Pädagogik. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie als Bühnenbildnerin, Ausstellungsmacherin, Kinderbuchillustratorin und nicht zuletzt als vielseitige und teils provokante Bildende Künstlerin.

In den ersten Jahren ihrer künstlerischen Arbeit beschäftigte sie sich hauptsächlich mit Porträtmalerei. Eine ihrer Eigenarten ist es, ausschließlich aus der Erinnerung und stets ohne Modell zu malen. Zudem verwendet sie stets selbst hergestellte Farben und zeichnet sich durch eine Vorliebe für ungewöhnliche Maluntergründe aus. Mit der Zeit wendete sie sich immer mehr den plastischen Kunstwerken und mehrdimensionalen Baukörpern zu.

Nachdem Anna Adam viele Jahre düstere Kunst produziert hatte, „ganz wie die Gesellschaft es von mir erwartet hat“, stellte sie fest, dass sie so nicht glücklich werden würde. Daher entschied sie sich, es mit Satire zu versuchen. „Wenn ich es gut mache, kann ich die Fantasie der Leute richtig ankicken und sie reagieren viel stärker, als wenn ich ihnen einen Leichenhaufen vor die Füße kippe“. Und sie hat Spaß daran.

Nicht nur positive Aufmerksamkeit hat Anna Adam auf sich gezogen, als sie ihre Ausstellung „Feinkost Adam“ präsentierte, ein Satire-Projekt, dass sich an die nicht-jüdische Gesellschaft wendet und den herrschenden Status Quo in der deutschen Gesellschaft thematisiert. Für sie ist das Projekt eine „künstlerische Antwort auf immer wiederkehrende, oftmals absurde Missverständnisse und auf Klischeevorstellungen”, die die nichtjüdische Mehrheitskultur von Juden und Jüdinnen hat.

Ein weiteres satirisches Projekt ist der “Happy Hippie Jew Bus”, der mit allerhand skurril anmutenden Gegenständen ausgestattet ist, darunter eine “Kuscheltora”, ein Buddha mit Kippa und Davidstern sowie ein Davidstern-Kirschkernkissen. Der Bus ist zu verstehen als soziale Plastik, die zur Diskussion anregen und jegliche Art von Betroffenheit vermeiden soll.

Wenn sie nicht gerade mit dem „Happy Hippie Jew Bus“ durch Deutschland tourt, illustriert Anna Adam mit großer Begeisterung Kinderbücher. Denn bei dieser Arbeit kann sie “selber wieder Kind sein”. Daneben hat auch Anna zahlreiche weitere Projekte: Zum Beispiel arbeitet sie mit Berliner Strassenkindern und unterrichtet jüdische Religion und Tradition an Berliner Grundschulen.

Ende der 80er Jahre, während ihrer Arbeit als Kulturmanagerin in Hannover, wurde Anna auf Jalda Rebling aufmerksam. Bereits als 18-Jährige habe sie ein Konzert von Jalda und ihrer Mutter Lin Jaldati im Fernsehen gesehen und mit großen Augen bewundert. Anfang der 90er Jahre lernten sie sich dann persönlich kennen und einige Zeit später wurden sie ein Paar. Anna Adam zog mit in die Familienwohnung von Jalda und ihren Söhnen und wurde als Mutter Nr.2 für den jüngsten Sohn Teil der Familie.

Nachdem der jüngste Sohn/dieser in seine Welt hinaus gezogen ist, leben Anna und Jalda nun zu zweit in ihrer eigenhändig renovierten Wohnung. Und suchen nach einer Balance zwischen den vielen Projekten, die sie noch umsetzen wollen, und etwas mehr Leben als Privatmenschen.